Der echte Berliner Tourist trägt immer Laufschuhe, egal wohin er geht. Dort, wo er herkommt, gibt es einfach keine anderen Schuhe zu kaufen. Der Rucksack, den er trägt, ist schon fest mit seinem Rücken verwachsen, sodass er sich die Träger eigentlich schenken könnte. Sicherheitshalber zurrt er diese doch bis obenhin fest, sodass er nur noch hecheln kann. Das stört ihn aber nicht im Geringsten, denn dadurch kommt er sich nur noch geschäftiger vor, als er ohnehin schon ist.
Der Berliner Tourist ist nämlich immer in Bewegung, nicht schnell aber stetig. Zeit sich hinzusetzen oder gar um sich auszuruhen, bleibt ihm nicht. Zuviel könnte er verpassen. Der Berlin-Tourist isst im Stehen, pinkelt während des Laufens und scheißt… Lassen wir das! Schlaf ist dem Berlin-Tourist verhasst (Stichwort: verpassen).
Folgende Ausrüstungsgegenstände hat der echte Berliner Tourist immer bei sich:
- Sonnencreme (diverse Schutzfaktoren)
- 2-3 Regenschirme (Wetterunabhängig, man weiß ja nie)
- Karte (aufgeklappt, in der Hand haltend)
- Mütze
- Reiseführer
- Snacks (3-4 Kilo)
- Wasser (6-7 Liter)
Der Punkt Wasser indes ist es wert, vertieft zu werden. Der echte Tourist leidet augenscheinlich an dem ständigen Gefühl zu verdursten. 6 – 7 Liter Wasser trägt er im Schnitt bei sich (Statistisches Bundesamt!). Das mag den Aussenstehenden zunächst verwundern, nicht aber den echten Touristen.
Er hat einfach Angst, sich in dieser großen Stadt nicht zurechtzufinden und keine „Wasserstelle“ ausfindig zu machen. Bei seinem Laufpensum ist die Flüssigkeitszufuhr aber enorm wichtig. Der zweite und weitaus wichtigere Punkt ist aber, dass es die begrenzte Zeit des Touristen überhaupt nicht erlaubt, wegen etwas so alltäglichem wie dem Trinken zu verweilen (Stichwort: verpassen).
Der Berliner Tourist fotografiert gerne. Sein Lieblingsmotiv: Alles.
Ferner sollte man noch wissen, dass der Berliner Tourist fast ausschließlich in Rudeln auftritt. In diesen Rudeln präsentiert er sich lebhaft. Wenn er sich unterhält, so schreit er, denn es ist die einzige Tonlage, die er kennt. Bevorzugt tut er dies in engen Räumen mit vielen Menschen (z. B. U-Bahn).
Falls Sie einmal einem solchen Exemplar begegnen sollten, nicken sie freundlich, lächeln Sie und fragen ihn, woher er kommt. Dann freut er sich.